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Rettungsgasse

Geschrieben von Sicherheitsprofi 4/2014.

Es gibt wohl kaum einen Stau auf einer Autobahn, in dem nicht auch mehrere Lkw festsitzen. Die Profis am Steuer sollten ein Vorbild für andere sein und sofort damit beginnen, die Rettungsgasse zu bilden. Lesen Sie hier noch einmal, worauf es ankommt.

Die Straßenverkehrsordnung regelt schon seit 1982 unmissverständlich, was zu geschehen hat, wenn sich ein Stau bildet: „Stockt der Verkehr auf Autobahnen oder Außerortsstraßen mit min­destens zwei Fahrstreifen für eine Richtung, so müssen die Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen eine Gasse bilden." (§11 Absatz 2 StVO). Man soll also nicht erst versuchen, eine Gasse zu bilden, wenn sich ein Rettungswagen nähert, sondern immer dann, wenn der Verkehr ins Stocken gerät. Denn wenn alles steht, kann ein Lkw nicht mehr rangieren, um aus dem Weg zu kommen. Deswegen ist auch wichtig, den Abstand bei stockendem Verkehr sofort zu vergrö­ßern, damit Platz zum Ausweichen bleibt.


Wenn Lkw-Fahrer damit beginnen, die Gasse zu öffnen, schlie­ßen sich die anderen Verkehrsteilnehmer in der Regel an. Die Rettungs­gasse wird in Deutschland nach einem einfachen Prinzip gebildet: Die linke Spur weicht nach links aus, der Rest nach rechts. Die Gasse darf ausschließlich von der Polizei und den Hilfsfahrzeugen benutzt wer­den. Zu den Hilfsfahrzeugen gehören Feuerwehr, Rettungswagen, Not­arztfahrzeuge, Fahrzeuge der Unfallrettung, des technischen Hilfswerks und AbSchleppfahrzeuge. Da sie nicht alle gleichzeitig eintreffen, muss die Gasse unbedingt so lange freigehalten werden, bis zu erkennen ist, dass die Unfallstelle geräumt wurde und der Verkehr wieder ins Fließen kommt. Vor Ein- und Ausfahrten wenn möglich größere Lücken für die Einsatzfahrzeuge lassen. Der Seitenstreifen soll zur Bildung der Ret­tungsgasse nicht benutzt werden und darf natürlich auch nicht befah­ren werden. Wichtig: Für die Bildung der Rettungsgasse gibt es in Euro­pa keine einheitliche Regelung, informieren Sie sich über die Details.

Warnung über Funk

„Ich würde nicht so weit gehen zu behaupten, dass die fehlende Ret­tungsgasse schon Menschenleben gefordert hat", erläutert Holger Bauer vom Landesfeuerwehrverband Schleswig-Holstein auf Nachfrage, „aber sie kostet uns wertvolle Zeit." Deshalb appelliert auch er an die Berufskraftfahrer, so früh wie möglich zu reagieren, vorausschau­end zu fahren und früh eine Gasse frei zu machen.

Die Kollegen von der Feuerwehr Allersberg in Bayern sind schon einen Schritt weiter: Seit Ende April 2014 läuft dort ein Pilotprojekt, um Lkw-Fahrer frühzeitig zur Bildung der Rettungsgasse zu bewegen: Ein Kommandowagen wurde mit einem Sender ausgestattet, der auf dem Weg zum Einsatzort über CB-Funk die Lkw-Fahrer auffordert, Platz zu machen. „Achtung, bilden Sie eine Rettungsgasse, es kommen Einsatz­ fahrzeuge" wird in den Sprachen Deutsch, Italienisch, Russisch, Tsche­chisch, Polnisch, Litauisch, Niederländisch und Türkisch gesendet. Thomas Gumpp von der Feuerwehr Allersberg zieht nach den ersten vier Wochen eine positive Bilanz: „Erste Erkenntnisse lassen in der Tat erkennen, dass der Verkehr durch die Durchsagen der Warnmeldungen positiv beeinflusst wird."

AUS AKTUELLEN POLIZEIMELDUNGEN
Fehlende Rettungsgasse führt zu Unfall: Als sich ein Stau gebildet hatte, musste sich die Feuerwehr Bremen ihren Weg durch die Rettungsgasse zum Unfallort bahnen. Einige Verkehrsteilnehmer haben die notwendige Gasse nicht gebildet. Hierzu zählte auch der 63-jährige Fahrer eines Viehtransportes. Als er das herannahende Feuerwehrfahrzeug erkannte, versuchte er seinen Transporter an den Fahrbahn­rand zu manövrieren. Hierbei touchierte er das vorbeifahrende Fahrzeug der Feuerwehr. Die Polizei weist nochmals ausdrück­lich darauf hin, dass Autofahrer bei Staubildung eine Rettungs­gasse zwischen der linken und rechten bzw. der linken und der mittleren Fahrspur freihalten müssen.

Rettungsgasse blockiert: Wie berichtet prallte auf der A43 in Richtung Wuppertal aus bisher unbekannter Ursache ein Lkw auf ein Stauende. Nach neuesten Erkenntnissen hat sich die Zahl der Verletzten auf drei leichtverletzte und eine schwerverletzte Person verändert. An dieser Stelle noch einmal eine dringende Bitte von Feuerwehr und Polizei: Halten Sie bitte eine Rettungsgasse für nachfolgende Einsatz- und Rettungswagen frei!

Rettungsgasse nicht gebildet: Der Fahrer verlor aus bislang un­geklärter Ursache die Kontrolle über sein Fahrzeug und prallte in die Mittelschutzplanke. Ein nachfolgender Wagen konnte nicht mehr ausweichen. Durch die Wucht des Aufpralls wurde die 24-jährige Beifahrerin aus dem Wagen geschleudert und an­schließend überrollt. Sie erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Bei der Anfahrt der Einsatzkräfte kam es aufgrund einer nicht gebildeten Rettungsgasse und eines blockierten Standstreifens zu Behinderungen. Die Polizei weist in diesem Zusammenhang eindringlich daraufhin: Richtiges Verhalten kann Leben retten! Bei einem Stau ist besondere Aufmerksamkeit geboten

Rettungsgasse korrekt bilden
Variante 1

rettungsgasse 2auf einer drei-und mehrspurigen Fahrbahn. Der Seitenstreifen ist kein Bestandteil der Fahrbahn. Er muss grundsätzlich frei bleiben und ist nur für einen Halt bei einer Panne gedacht.


Variante 2

rettungsgasse 3 auf einer zweispurigen Fahrbahn

Artikel aus der Zeitschrift: Sicherheitsprofi Nr. 4/2014